Hochschulrecht
Prüfungsanfechtung Anwalt

Anwalt für eine Prüfungsanfechtung: Alles, was Du wissen musst

Tobias Escherich, Volljurist
Aktualisiert am 
7.4.2026
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ohne Anwalt haben Prüfungsanfechtungen nur selten Erfolg.
  • Für eine erfolgreiche Prüfungsanfechtung ist eine überzeugende Begründung erforderlich.
  • Bevor die Prüfungsanfechtung eingelegt wird, ist es erforderlich, Einsicht in die Akten zu nehmen. Ohne Einblick in die Akten ist es schwierig, eine erfolgreiche Prüfungsanfechtung einzulegen.

Ist es sinnvoll, für eine Prüfungsanfechtung einen Anwalt zu mandatieren?

Für eine erfolgreiche Prüfungsanfechtung ist es sehr sinnvoll, einen Anwalt zu mandatieren. Prüfungsanfechtungen sind rechtlich eine spezielle Materie. Prüfungsämter, Universitäten und auch Gerichte erhalten viele unbegründete Prüfungsanfechtungen. Damit Ihre Prüfungsanfechtung Aussicht auf Erfolg hat, ist es deshalb erforderlich, besonders präzise herauszuarbeiten, inwieweit die Prüfungsbewertung oder das Prüfungsverfahren rechtsfehlerhaft waren. Dabei müssen sowohl die rechtlichen Maßstäbe sauber herausgearbeitet werden als auch inwieweit die Prüfung diese Maßstäbe nicht erfüllt hat.

Ohne anwaltliche Unterstützung gelingt es häufig nicht, diese hohen Maßstäbe zu erfüllen. Deshalb ist es empfehlenswert, sich Unterstützung für die Prüfungsanfechtung zu holen.

Wie ist das Vorgehen bei einer Prüfungsanfechtung?

Wenn Sie einen Anwalt für eine Prüfungsanfechtung mandatieren, gehen Anwälte wie folgt vor:

  • Akteneinsicht: Zuerst wird die Akteneinsicht beantragt. Eine überzeugende Prüfungsanfechtung kann nur gelingen, wenn sich die Prüfungsanfechtung detailliert mit der jeweiligen Klausur auseinandersetzt. Deshalb ist die Akteneinsicht erforderlich, um in der Prüfungsanfechtung detailliert darlegen zu können, welche Fehler erfolgt sind und wie sich diese auf die Prüfung ausgewirkt haben.
  • Widerspruch: Das erste „konkrete“ Vorgehen besteht daraus, Widerspruch gegen die Prüfung einzulegen. Der Widerspruch führt dazu, dass der Prüfer die Klausur noch einmal vorgelegt bekommt. Auf diesem Weg kann der Prüfer seine Entscheidung überdenken. Ausnahmsweise erfolgt die Entscheidung nach dem Widerspruch durch eine andere Person als den Prüfer.
  • Klage: Sollte der Widerspruch keinen Erfolg gehabt haben, bleibt als letzter Schritt noch die Möglichkeit, Klage einzulegen. Die Klage wird vor dem Verwaltungsgericht eingelegt.

Eine erfolgreiche Prüfungsanfechtung hat grundsätzlich zur Folge, dass die Klausur neu bewertet wird. Eine Wiederholung der Prüfung kommt nur ausnahmsweise in Betracht. Für die Wiederholung der Prüfung ist es erforderlich, dass keine taugliche Bewertungsgrundlage vorliegt. Das ist etwa der Fall, wenn die Prüfung nicht mehr vorhanden ist (z. B. bei einer mündlichen Prüfung) oder die ursprüngliche Prüfung selbst keine taugliche Bewertungsgrundlage darstellt (z. B. weil die Fragen fehlerhaft waren).

Unsere Erfahrung im Prüfungsrecht

Ich war lange Zeit selbst als Korrektor für juristische Klausuren an der Bucerius Law School tätig. Entsprechend kenne ich aus eigener Erfahrung sowohl die Perspektive des Korrektors als auch die Perspektive als Prüfling. Diese langjährige Erfahrung hilft mir dabei, sowohl effizient zu arbeiten als auch die Bewertungsfehler präzise zu erkennen und einschätzen zu können, inwieweit sich diese auf das Ergebnis ausgewirkt haben. Dazu habe ich zwei Prädikatsexamen mit jeweils besonders guten Noten im Verwaltungsrecht, sodass ich bereits vertieftes Wissen in verwaltungsrechtlichen Fragen aufbauen konnte.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten bei einer Prüfungsanfechtung?

Die Erfolgsaussichten von einer Prüfungsanfechtung hängen maßgeblich davon ab, welcher Fehler vorliegt, wie sich der Fehler auf das Ergebnis ausgewirkt hat und wie überzeugend die Prüfungsanfechtung ist. Die Erfolgsaussichten einer Prüfungsanfechtung sind sehr unterschiedlich. Die Erfolgsaussichten werden maßgeblich durch die folgenden Faktoren geprägt:

  • Fehler: Es wird grundsätzlich zwischen Verfahrensfehlern und Bewertungsfehlern unterschieden. Bei Bewertungsfehlern treten Fehler im Rahmen der Bewertung der Klausur auf (z.B. wird einem Prüfling fälschlicherweise ein Fehler unterstellt). In solchen Fällen bestehen gute Erfolgsaussichten. Die andere Fehlergruppe sind die Verfahrensfehler. Verfahrensfehler betreffen den Ablauf der Prüfung. Bei Verfahrensfehlern sind die Erfolgsaussichten nicht besonders hoch. Hintergrund ist, dass zum einen nachgewiesen werden muss, dass sich der Fehler auf das Ergebnis ausgewirkt hat. Zum anderen besteht die Herausforderung darin, dass Verfahrensfehler grundsätzlich im Rahmen der Prüfung gerügt werden müssen. Ohne eine entsprechende Rüge kann der Fehler später nicht mehr geltend gemacht werden. Nur bei wenigen Fehlern ist keine Rüge erforderlich. Vor dem Hintergrund, dass in den meisten Fällen keine Rüge erfolgt, ist es somit bei Verfahrensfehlern häufig nicht möglich, diese nachträglich im Rahmen einer Prüfungsanfechtung geltend zu machen.
  • Begründung: Gerichte und Prüfungsämter sind bei Prüfungsanfechtungen insgesamt eher zurückhaltend. Entsprechend bestehen nur dann realistische Erfolgsaussichten, wenn die Begründung der Prüfungsanfechtung sehr stringent und überzeugend erfolgt. Es muss für das Prüfungsamt bzw. das Gericht ohne weiteres klar werden, welcher Fehler vorliegt und dass sich dieser auf das Ergebnis ausgewirkt hat.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch sind die Kosten für einen Anwalt bei einer Prüfungsanfechtung?
Die Kosten für einen Anwalt bei einer Prüfungsanfechtung liegen bei 200 € bis 400 € pro Stunde.
Wie hoch sind die Kosten für eine Prüfungsanfechtung?
Die Kosten für eine Prüfungsanfechtung liegen in den meisten Fällen im vierstelligen Bereich.
Ist ein Anwalt für eine Prüfungsanfechtung empfehlenswert?
Wenn eine Prüfungsanfechtung Erfolg haben soll, ist es sinnvoll, auf einen spezialisierten Anwalt zurückzugreifen. Die Anforderungen an eine überzeugende Prüfungsanfechtung sind hoch.
Benötigt man für eine Prüfungsanfechtung einen Anwalt?
Es ist gesetzlich nicht erforderlich, für eine Prüfungsanfechtung auf einen Rechtsanwalt zurückzugreifen. Allerdings wissen spezialisierte Rechtsanwälte, worauf es ankommt, sodass die Erfolgsaussichten höher sind.
Ist es sinnvoll, eine Prüfungsanfechtung ohne Anwalt einzulegen?
Wenn die Prüfungsanfechtung Erfolg haben soll, ist es nicht sinnvoll, eine Prüfungsanfechtung ohne Anwalt einzulegen.