Mündliche Prüfung in Jura: Was macht man, wenn man durchgefallen ist?
Das Wichtigste in Kürze
- Es kommt nur sehr selten dazu, dass Prüflinge in Jura in einer mündlichen Prüfung durchfallen.
- Eine Prüfungsanfechtung hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn es konkrete Anhaltspunkte für Fehler der Prüfer oder im Prüfungsverfahren gibt.
- Wenn Prüflinge durchfallen, dann nur in besonderen Ausnahmefällen (z.B. unentschuldigt Fehlen oder aufgrund eines Blackouts).
Ist es möglich, in der mündlichen Prüfung in Jura durchzufallen?
Es kommt nur sehr selten vor, dass Studenten oder Referendare in der mündlichen Prüfung durchfallen. Sofern die schriftlichen Prüfungen im ersten oder zweiten Staatsexamen bestanden wurden, ist das Bestehen der mündlichen Prüfung und auch des Staatsexamens insgesamt so gut wie sicher. Noch seltener kommt es vor, dass ein Student oder Referendar die schriftlichen Klausuren besteht und dann in der mündlichen Prüfung durchfällt.
- Staatsexamen: Selbst wenn man in der mündlichen Prüfung „durchfällt“, also eine Note von unter 4 Punkten erreicht, führt dies nicht automatisch dazu, dass man in dem Staatsexamen durchfällt. Das Staatsexamen wird nur dann nicht bestanden, wenn die Note insgesamt unter 4 Punkten liegt.
- Studium: Es passiert gelegentlich, dass Prüflinge in einer mündlichen Prüfung durchfallen, die eine Semesterklausur ersetzt. In einem solchen Fall ist es grundsätzlich möglich, die Klausur zu wiederholen.
Wann fällt man in einer mündlichen Prüfung durch?
In einer mündlichen Prüfung fällt man insbesondere durch, wenn man entweder die Fragen vollständig nicht beantworten kann, ein Täuschungsversuch vorliegt oder man die Prüfung verpasst. In den juristischen Staatsexamen kommt es nur sehr selten vor, dass eine Prüfung vollständig nicht bestanden wird. Beispielsweise ist in Niedersachsen im Jahr 2024 keine einzige Person in der mündlichen Prüfung durchgefallen. Wenn man doch in der mündlichen Prüfung durchfällt, liegt häufig einer der folgenden Gründe vor:
- Blackout: Wenn man die Frage in der mündlichen Prüfung nahezu vollständig nicht beantworten kann, etwa aufgrund eines Blackouts, besteht das Risiko durchzufallen. In den meisten Fällen verhindern das allerdings die Prüfer, indem sie Tipps geben oder die Fragen so umformulieren, dass man sie doch beantworten kann.
- Täuschungsversuch: Ein weiterer Weg, um in einer mündlichen Prüfung durchzufallen, besteht darin, dass man beim Täuschen erwischt wird. Ein Täuschungsversuch liegt etwa vor, wenn unzulässige Hilfsmittel verwendet werden (z.B. ein Handy in der Tasche bei der Vorbereitung auf den Aktenvortrag).
- Unentschuldigt Fehlen: Zu den häufigsten Gründen, die zum Durchfallen in einer mündlichen Prüfung führen, gehört das unentschuldigte Fehlen. Wenn sich Prüflinge nicht rechtzeitig krankmelden, droht durch das Verpassen, in der Prüfung durchzufallen.
Anfechtung einer mündlichen Prüfung
Wenn man in einer mündlichen Prüfung in Jura durchgefallen ist, kann es sinnvoll sein, die mündliche Prüfung anzufechten. Eine Prüfungsanfechtung ist insbesondere bei „wichtigen“ Prüfungen sinnvoll. In solchen Fällen ist die Prüfungsanfechtung häufig der letzte Weg, ein Durchfallen zu verhindern. Dazu sollte eine Prüfungsanfechtung nur gewählt werden, wenn es konkrete Ansatzpunkte für die Anfechtung der Prüfung gibt:
- Formelle Fehler: Ein formeller Fehler im Rahmen einer mündlichen Prüfung liegt etwa vor, wenn ein Prüfer während der Prüfung nicht im Raum ist. Wenn beispielsweise ein Prüfer während der Prüfung den Raum verlässt, um zu telefonieren, oder den Prüflingen nicht zuhört, kommt eine Wiederholung der Prüfung in Betracht. Gleiches gilt, wenn eine Prüfungskommission fehlerhaft besetzt ist (z.B. weil ein Prüfer kein Volljurist ist).
- Materielle Fehler: Materielle Fehler liegen im Rahmen der Prüfung vor, wenn die Bewertung der Prüfungsleistung fehlerhaft ist. Materielle Fehler liegen etwa vor, wenn Prüfer sachfremde Erwägungen in der Bewertung berücksichtigen (z.B. das Aussehen oder die Herkunft eines Prüflings). Ein Fehler liegt ebenfalls vor, wenn eine vertretbare Lösung als falsch bewertet wird oder Prüflinge ungleich behandelt werden. Wird etwa die gleiche Aussage bei zwei Prüflingen unterschiedlich bewertet, liegt ein materieller Fehler nahe.
Welche Folgen hat die Anfechtung einer mündlichen Prüfung?
Die Anfechtung einer mündlichen Prüfung hat grundsätzlich zur Folge, dass die mündliche Prüfung wiederholt wird. Grundsätzlich führt eine Prüfungsanfechtung in den meisten Fällen lediglich dazu, dass eine Neubewertung der Prüfungsleistung erfolgt. Bei der mündlichen Prüfung fehlt allerdings die Bewertungsgrundlage, die zu einer Neukorrektur führen kann. Eine Bewertung allein auf Basis des Prüfungsprotokolls ist schwierig, da das Protokoll in den meisten Fällen nicht ausreicht, um die Prüfung vollständig neu zu bewerten. Deshalb erfolgt eine Wiederholung der Prüfung.

