Hochschulrecht
Meisterprüfung anfechten - was nun

Meisterprüfung anfechten - Alles, was Du wissen musst

Tobias Escherich, Volljurist
Aktualisiert am 
6.4.2026
3
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Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Meisterprüfung kann angefochten werden, wenn die Prüfung fehlerhaft abgelaufen ist oder die Bewertung fehlerhaft ist.
  • Bevor eine Prüfung angefochten wird, sollte Einsicht in die Prüfungsakte beantragt werden. Ohne detaillierten Einblick in die Prüfung ist es sehr schwierig, eine überzeugende Anfechtung einzulegen. 
  • Während einer Prüfungsanfechtung besteht grundsätzlich kein Risiko, sich zu verschlechtern.

Kann eine Meisterprüfung angefochten werden?

Eine Meisterprüfung kann angefochten werden. Bei der Meisterprüfung handelt es sich um eine staatliche Prüfung. Entsprechend müssen sowohl die Bewertung als auch das Prüfungsverfahren den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Wer eine Prüfungsanfechtung einlegt, kann auf diesem Weg eine Verbesserung der Note erreichen oder verhindern, dass man durchfällt.

Im Rahmen der Prüfungsanfechtung sollte man im Blick haben, dass einzelne Prüfungsteile nicht angefochten werden können. Es ist also nicht möglich, lediglich eine einzelne Klausur oder die praktische Prüfung anzugreifen. Stattdessen muss stets gegen die gesamte Meisterprüfung geklagt werden. Eine Besonderheit besteht dabei allerdings darin, dass sich die Begründung der Prüfungsanfechtung auf einzelne Prüfungsbestandteile fokussieren kann. Wenn so vorgegangen wird, konzentriert sich die Prüfungsanfechtung auf die erhobenen Fehler.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten, wenn eine Meisterprüfung angefochten wird?

Die konkreten Erfolgsaussichten einer Prüfungsanfechtung hängen von den konkreten Umständen ab. Insgesamt sind die Anforderungen von Gerichten an eine erfolgreiche Prüfungsanfechtung hoch. Entsprechend hat eine Prüfungsanfechtung vorrangig dann Aussicht auf Erfolg, wenn erhebliche Fehler vorliegen, die sich auf das Ergebnis ausgewirkt haben. Im Rahmen einer Prüfungsanfechtung wird zwischen Verfahrensfehlern und Bewertungsfehlern unterschieden. Verfahrensfehler betreffen den Ablauf der Prüfung, während Bewertungsfehler die Bewertung der Prüfungsleistung betreffen.

Folgende Verfahrensfehler sind im Rahmen einer Meisterprüfung möglich:

  • Prüfer: Es kann vorkommen, dass Prüfungskommissionen fehlerhaft besetzt sind. So passiert es gelegentlich, dass Mitglieder der Prüfungskommission nicht über die erforderliche fachliche Qualifikation verfügen.
  • Aufgaben: Außerdem kann es vorkommen, dass Prüfungsaufgaben gestellt werden, die inhaltlich nicht (mehr) von der Prüfungsthematik erfasst werden.

Bei den Verfahrensfehlern ist es wichtig auf die Erheblichkeit zu achten. Ein Verfahrensfehler kann also nur geltend gemacht werden, wenn er sich auf das Ergebnis ausgewirkt hat. 

In den folgenden Fällen liegt ein Bewertungsfehler vor:

  • Bewertungsgrundlage: Wenn im Rahmen einer Klausur ein Teil der Bearbeitung nicht gelesen wird, liegt ein Bewertungsfehler vor. In einem solchen Fall gehen die Prüfer von einer falschen Bewertungsgrundlage aus.
  • Fachwissen: Wenn Lösungen, die in ausgegebenen Lehrmaterialien als korrekt dargestellt werden, in der Klausur als falsch bewertet werden, liegt ein Bewertungsfehler vor.
  • Willkür: Eine willkürliche Entscheidung liegt etwa vor, wenn überhaupt keine Bewertung erfolgt. Wenn also eine Bewertung ausschließlich aus einer Note besteht, ohne dass erkennbar ist, welche Teile der Lösung zutreffend und welche fehlerhaft sind, liegt eine willkürliche Entscheidung vor.

Dazu kann es auch vorkommen, dass ein Täuschungsversuch angenommen wird, obwohl kein Täuschungsversuch erfolgt ist. In einer solchen Situation kann die Prüfung ebenfalls angefochten werden.

Wie läuft eine Prüfungsanfechtung ab?

Eine Prüfungsanfechtung besteht aus drei Schritten. Zuerst sollte Akteneinsicht – soweit möglich – beantragt werden. Für Rechtsanwälte ist es ohne Akteneinsicht sehr schwierig, die Erfolgsaussichten zu beurteilen. Anschließend kann der Einblick in die Prüfungsakten genutzt werden, um eine (überzeugende) Prüfungsanfechtung zu verfassen. Dafür muss in einem ersten Schritt Widerspruch gegen die Prüfung eingelegt werden. Der Widerspruch führt dazu, dass sich die Handwerkskammer noch einmal mit der Prüfung auseinandersetzen muss. Sollte der Widerspruch keinen Erfolg haben, kann in einem nächsten Schritt Anfechtungsklage erhoben werden.

Sowohl im Rahmen der Prüfungsanfechtung als auch im Rahmen des Widerspruches ist es wichtig, überzeugend zu argumentieren. Ohne eine überzeugende Begründung wird es kaum gelingen, die Handwerkskammer und / oder das Gericht zu überzeugen.

Wie hoch sind die Kosten für eine Prüfungsanfechtung?

Die Kosten für eine Prüfungsanfechtung hängen von der konkreten Situation ab. Es ist dabei üblich, dass Rechtsanwälte pro Stunde bezahlt werden. Entsprechend steigen die Kosten mit dem Aufwand. Sofern eine Rechtsschutzversicherung besteht, übernimmt diese die Kosten teilweise. Eine vollständige Übernahme der Kosten durch die Rechtsschutzversicherung ist unüblich. Hintergrund ist, dass die gesetzlichen Anwaltsgebühren in der Regel niedriger sind als die Gebühren, zu denen Rechtsanwälte im Prüfungsrecht arbeiten. Dazu deckt die Rechtsschutzversicherung die Kosten nur ab, sofern die Rechtsschutzversicherung bereits während der Prüfung bestand und hinreichende Erfolgsaussichten bestehen.

Besteht das Risiko einer Verschlechterung bei einer Prüfungsanfechtung?

Eine Verschlechterung bei einer Prüfungsanfechtung ist grundsätzlich nicht möglich. Hintergrund ist, dass der allgemeine Prüfungsmaßstab bei einer Prüfungsanfechtung nicht verändert werden darf. Wenn also eine Klausur neu korrigiert wird, dürfen nicht bisher als richtig bewertete Aussagen plötzlich als falsch bewertet werden. Dazu werden die Teile der Meisterprüfung häufig als Multiple-Choice-Test geschrieben, dabei ist eine Verschlechterung ohnehin nicht möglich. Außerdem kann der Antrag so gestellt werden, dass nur eine Notenverbesserung in Betracht kommt.

Eine Ausnahme gilt allerdings für den Fall einer Wiederholung der Prüfung. Sollte die Prüfung vollständig oder teilweise wiederholt werden, erfolgt eine vollständige Neubewertung der Klausur. Insoweit ist auch eine Verschlechterung der Bewertung möglich.

Welche Aspekte müssen bei der Prüfungsanfechtung bedacht werden?

Wenn Sie überlegen, eine Prüfungsanfechtung einzulegen, sollten Sie die folgenden Aspekte berücksichtigen:

  • Lange Verfahrensdauer: Eine Prüfungsanfechtung vor Gericht nimmt schnell mehr als ein Jahr in Anspruch. Während der Widerspruch vor der Handwerkskammer schnell entschieden wird, dauern die Verfahren vor den Gerichten sehr lange. Entsprechend sollte man sich überlegen, ob man die Prüfungsanfechtung einlegen möchte oder ob eine Wiederholung der Prüfung einfacher ist.
  • Erfolgsaussichten: Die Erfolgsaussichten einer Prüfungsanfechtung können nicht pauschal beurteilt werden. Die Erfolgsaussichten hängen stark davon ab, wie die Umstände in dem konkreten Einzelfall sind.
  • Beurteilungsspielraum: Prüfern steht ein Beurteilungsspielraum zu. Das bedeutet konkret, dass etwa die Einschätzung des Schwierigkeitsgrades oder die konkrete Beurteilung der Leistung durch die Gerichte nur eingeschränkt überprüft wird.

Häufig gestellte Fragen

Kann man die Meisterprüfung wiederholen?
Wenn man die Meisterprüfung nicht besteht, kann man die Meisterprüfung wiederholen.
Was tun, wenn man die Meisterprüfung nicht bestanden hat?
Wenn man die Meisterprüfung nicht bestanden hat, sollte man die Prüfungsbestandteile, in denen man durchgefallen ist, noch einmal schreiben.
Wie teuer ist die Prüfungsanfechtung einer Meisterprüfung?
Die Kosten für eine Prüfungsanfechtung liegen in den meisten Fällen im vierstelligen Bereich.
Hat die Prüfungsanfechtung einer Meisterprüfung Aussicht auf Erfolg?
Die Erfolgsaussichten einer Prüfungsanfechtung können nicht pauschal beurteilt werden. Die Erfolgsaussichten hängen maßgeblich davon ab, ob erfolgreich geltend gemacht werden kann, dass die Prüfung oder Bewertung Fehler aufweist.
Welche Kosten fallen bei einer Prüfungsanfechtung an?
Im Rahmen einer Prüfungsanfechtung fallen insbesondere Kosten für den Anwalt an. Außerdem können Kosten für das Gericht und die Gegenseite anfallen.